Hamburger Abendblatt vom 04.11.2016

Alles ist neu für die neue Saison

Von Norbert Scheid
 
Die 18 Tänzerinnen und Tänzer der A-Lateinformation mit Cheftrainerin Franziska Becker (r.) und Co-Trainer Nick Dieckmann

Die Bundesliga-Lateinformation von Blau-Weiss Buchholz präsentiert ihre neue Choreographie „The Team“ im neuen Outfit.

 

Buchholz.  Eltern und Großeltern, Geschwister und engste Freunde: Die leidenschaftlichsten Anhänger und Bewunderer der Buchholzer Formationstänzer sammeln sich in der Dunkelheit vor der Sporthalle Am Kattenberge. Noch bleiben sie ausgesperrt. Noch wird das große Geheimnis nur für wenige gelüftet. Vertreter der Sponsoren, Repräsentanten von Blau-Weiss Buchholz und Medienvertreter werden durch einen langen, dunklen Gang in die Halle geführt. In der formieren sich die neun Tänzerinnen der A-Lateinformation und ihre Partner. Sie strahlen für das erste offizielle Foto im Vorfeld der neuen Bundesligasaison.

Die eigentliche Generalprobe beginnt für die Zuschauer auf den inzwischen fast vollbesetzten Rängen mit Warten. Und das wird genutzt, um sich warm zu klatschen. Dann endlich – der Einmarsch. Applaus, Jubel und Zurufe – und großes Staunen. Die Damen in blitzend leuchtendem Rot, mit eng anliegenden langen Hosen. Nur ein Streifen um den Nabel herum ist frei. Auch das Outfit der Herren, die sonst viel freie Brust darboten, ist bis zum Hals geschlossen. Zeichen einer neuen Zeit auch bei den Lateinformationen: weniger spektakuläre Show und weniger nackte Haut sind gefragt, dafür mehr Eleganz und vor allem mitreißende, tänzerische Qualität. Die Musik setzt ein, herausfordernd laut und dynamisch. Die ersten Schritte, die ersten Wirbel, die erste artistische Einlage. Die Herren haben sich die Damen auf die Schulter geschwungen, zwei, drei Drehungen, dann die erste Klatschparade von der Tribüne.

Für die Zuschauer ist es schwierig, zusammen zu fassen, was sie in den sechs Minuten miterlebt und mitgefühlt haben. Was sich als erstes ins Bewusstsein drängt, ist die mitreißende, in manchen Passagen atemberaubende Rasanz, das große tänzerische Können und die Harmonie, die die Buchholzer Spitzentänzer sich erarbeitet haben.

„Alles ist neu bei uns für die neue Saison“, erläutert Franziska Becker, die als Cheftrainerin für die gesamte Formationssparte mit ihren vier Teams verantwortlich ist. „Die Musik ist vollkommen neu, die Choreographie ist neu. Nur die Tänzer, die sind die Vertrauten geblieben.“ Wieder dazu gehört Julian Dreyer. Der 27-Jährige ist der Einzige, der zur allerersten Formation gehörte. In seiner dritten Bundesligasaison tanzt er an der Seite von mit Meike Schumann.

„Die Idee für unsere neue Kür stand schon früh fest“, erläutert Franziska Becker der Anhängerschar. „Es ist eine Hommage an die Faszination unseres Teamsports. Wir Tänzer können dabei musikalisch und choreographisch umsetzen, was unseren Formationstanz so besonders macht. „The Team“, heißt das Ganze und zur Musik gehören auch die Champions League- und Olympia-Hymne.“ Und mit einem etwas gequälten Lächeln gesteht Franziska Becker: „Das ist heute das erste Mal, dass wir vor Publikum komplett auf die Fläche bringen, womit wir uns bei der deutschen Meisterschaft und in der 1. Bundesliga behaupten wollen. Und glauben Sie mir, ich selbst bin unfassbar nervös.“ Der Applaus, das Jolen und die Zurufe haben ihr und den Tänzern über die Anspannung und Ungewissheit hinweg geholfen.

Schon drei Tage vor der deutschen Meisterschaft am 12. November reist das Bundesligateam von Blau-Weiss Buchholz nach Bamberg. Im vergangenen Jahr hatten die Buchholzer mit ihrem fünften Platz die Tanzwelt überrascht. Dass eine geglückte Generalprobe kein gutes Omen ist, daran sollten sich die neun Paare (eines ist Ersatz) und ihr Trainerteam nicht stören. Was Franziska Becker und Co-Trainer Nick Dieckmann noch an Fehlern ausgemacht haben, wird im Trainingslager an diesem Wochenende aufgearbeitet.

„Die Videoaufnahme der Generalprobe wird in Zeitlupe vorgeführt“, erläutert die Trainerin. „Sequenz für Sequenz wird noch einmal durchgearbeitet.“ Und nicht ganz im Spaß fügt sie hinzu: „Zum Abschluss wird noch einmal trainiert bis der Arzt kommt.“ Man ist ja schließlich „The Team“ und das will gemeinsam strahlen und glänzen.

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