Hamburger Abendblatt vom 01.02.2017

Buchholz jubelt über Bundesliga-Platz drei

Von Norbert Scheid
 
Bei Verkündung der Platzziffern platzt die Freude aus den Buchholzer Tänzern und ihren Trainern Nick Dieckmann und Franziska Becker (v.l.) heraus

Foto: Hans Kall

Bei Verkündung der Platzziffern platzt die Freude aus den Buchholzer Tänzern und ihren Trainern Nick Dieckmann und Franziska Becker (v.l.) heraus

 

Gastgeber untermauern in der ausverkauften Nordheidehalle ihre Rolle als dritte Kraft unter Deutschlands Lateinformationen.

 

Buchholz.  Es sind nicht nur die begeisternden Tänzerinnen und Tänzer, es ist längst auch Buchholz als Gastgeberstadt und die Nordheidehalle als jubelnder Tempel der Freude, mit denen sich die Lateinformationen von Blau-Weiss Buchholz eine Spitzenposition in Deutschland erobert haben. Und doch gab es beim Turnier der Ersten Bundesliga diesen Moment, der unvergessen bleiben wird. Leise, fast andächtig hatte Turnierleiter Andreas Neuhaus ins Mikrofon gehaucht: „Und jetzt erleben wir das Beste, was unser Sport zu bieten hat – hier sind die Weltmeister.“

Für einen Augenblick wird es mucksmäuschenstill in der bis auf den letzten Platz gefüllten Nordheidehalle. Der Einmarsch der acht Damen und acht Herren vom Grün-Gold-Club Bremen – bei den letzten fünf Weltmeisterschaften war niemand besser. Die Musik setzt ein, der erste Wirbel, Paare, die sich eng umschlungen zu Linien und Bildern formieren, sich voneinander losreißen, zueinander stürmen, an den Händen festhalten, während die Damen stehend oder kniend Pirouetten drehen und die Männer die Körper ihrer Partnerinnen um sich herum wirbeln.

Was in der Halle losbricht, ist nur schwer in Worte zu fassen. Die Wechsel im Rhythmus der Musik, aufreißend fordern, dann wieder verspielt und verträumt, drängend und werbend. Gefühle und Leidenschaft, das ewige Spiel der Liebenden – dargeboten mit dem Wirbel der Beine, den wiegenden, verschlungenen Körpern, den zupackenden und streichelnden Händen. All das pflanzt sich fort in den Reihen der Zuschauer, löst Jubel und Beifallsstürme aus und lächelnd verträumte Blicke.

 

„Ich bin überrascht, ja ich bin überwältigt“, bekennt am Ende dieses temperamentvoll fröhlichen Bundesliga-Heimturniers Arno Reglitzky, der Vorsitzende von Blau-Weiss Buchholz. Dies ist sein erstes großes Tanzturnier, das er miterlebt. Womit haben die Tänzer ihren so sporterfahrenen Vereinschef überraschen können? „Es ist dieser unglaublich hohe Standard, der geboten wird. Das ist zum einen absolut höchster Leistungssport. Das ist zum anderen aber auch die Freude und Begeisterung, mit der die Tänzer das Buchholzer Sportzentrum überfluten.“

Schmunzelnd erzählt der Marathonläufer mit mehr als acht Jahrzehnten Lebenserfahrung, dass er mit seiner Frau bei Buchholz 08 getanzt hat, als die Familie ihr Haus in der Nordheide bezog. „Auch wir haben damals Latein getanzt“, blickt Reglitzky zurück, und fügt mit einem Lächeln hinzu: „Beim Jive habe ich meine Frau mit Schwung durch die Beine geschoben.“

Alle acht Herren der Tanzformation Bochum/Velbert, übrigens die Dritten der Weltmeisterschaft, landen auf dem Bauch und robben zu ihren Damen. „Tausend Mal berührt“, erschallt aus den Lautsprechern. Das Publikum lacht und klatscht, singt mit und lässt sich von der frischen und frechen Choreographie mitreißen.

Dann endlich ist es soweit. Als letzte der fünf Formationen im großen Finale (die drei schwächsten Teams nach dem ersten Durchgang bestritten das kleine Finale) wurde Blau-Weiss Buchholz aufgerufen. Die Ankündigung genügte, und schon ist der Teufel los. An den voll besetzten Tischen am Rande des Tanzparketts und in den dicht gedrängten Reihen auf der Tribüne. Es ist die Schnelligkeit, der Wirbel der Beine, die perfekten Drehungen, die Freude und Leichtigkeit, die über Jahre hart erarbeitet werden muss. Auch das begeisterte Publikum hört und erkennt das Aufreißende und Überschäumende der Samba-Rhythmen, das spielerische Miteinander beim Cha-Cha-Cha, das Flirten bei der Rumba, die Herren als stolze Matadore beim Paso Doble und natürlich den Jive, bei dem auch auf den Zuschauersitzen die Füße rocken. Die Lokalmatadore aus dem A-Team von Blau-Weiss Buchholz präsentieren sich selbstbewusst und voll mitreißender Lebensfreude.

Auch die C- und D-Formation zeigen sehr gute Leistungen

Es gab in der gesamten Nordheidehalle nur sechs Herren und eine Dame, die dabei gelassen blieben. Mussten sie auch, denn vom Urteil der Kampfrichter hängt es ab, mit welcher Platzierung die disziplinierte, sich über Jahre hinziehende Trainingsarbeit belohnt wird – vor allem in der höchsten Bundesliga.

Sieben Mal die Platzziffer eins, das war die erwartete Ausnahmestellung für die Weltmeister vom Grün-Gold-Club Bremen. Sieben Mal die „Zwei“ für Bochum/Velbert, auch das keine Überraschung. Aber dann: sieben Mal die „Drei“ für Gastgeber Blau-Weiss Buchholz. Das A-Team ist endgültig in der Spitze der deutschen Lateinformationen angekommen. Cheftrainerin Franziska Becker gab das Lob weiter: „Wie toll uns die Fans heute unterstützt haben, kann man kaum in Worte fassen.“

Nach der Bundesliga tanzten am Sonntag noch einmal neun Formationen in der Landesliga und neun Formationen in der Oberliga. Beim Buchholzer C-Team flossen Freudentränen, denn bereits zum zweiten Mal ertanzte sich der Nachwuchs den zweiten Platz in der Oberliga Nord. Und die neu formierte D-Formation erreichte bei seinem ersten Auftritt in der Landesliga den fünften Platz unter den neun Formationen.