die Latein Tänze

In Turnieren des Deutschen Tanzsportverbandes (DTV) treten Paare, eingeteilt nach Alter und Leistungsstand, in Wettbewerben gegeneinander an. Während der Vor- und Zwischenrunden werden sie in ihrer Leistung von einer ungeraden Anzahl von Wertungsrichtern in verdeckter Wertung vergleichend beurteilt. Aufgrund dieser punktuellen Bewertung entscheidet sich, ob ein Paar in die nächste Runde kommt oder nicht. Bis zu sieben Paare schaffen es in die Endrunde und können damit eine begehrte Platzierung erringen, von denen zwischen fünf und zehn zum Aufstieg in die nächsthöhere Klasse notwendig sind.

Die Lateinamerikanischen Tänze

Samba

(2/4-Takt, 50-52 Takte p. Min., Metronom 100-104) Die Samba stammt in ihrer stationären Grundform aus Brasilien bzw. aus uralten Kreistänzen der Bantu-Neger und wurde in Europa zum variationsreichen Turniertanz entwickelt. In Wiegeschritten und Voltadrehungen, Rollen und Promenadenläufen bewegen sich die Paare wellenförmig durch den Raum. Während die Wellenbewegung früher aus einem Erheben im Bein (Bounce) entstand, wird sie heute mehr durch die Bauchmuskulatur erzeugt.

Cha-Cha-Cha

(4/4-Takt, 30-32 Takte p. Min., Metronom 120-128) Der Cha-Cha-Cha stammt aus Kuba. Er wurde von Enrique Jorrin (u.a.) aus dem Mambo entwickelt und 1957 von Gerd und Traute Hädrich nach Deutschland importiert. Der Cha-Cha hat viele Elemente aus anderen Tänzen in sich aufgenommen, besonders aus Jazz, Beat und Disco. Seinen Grundcharakter, der ihn bei allen Altersstufen zum beliebtesten Lateintanz machte, hat er dabei nicht verloren: Im Cha-Cha kommen übermütige Ausgelassenheit und koketter Flirt zum Ausdruck.

Rumba

(4/4-Takt, 25-27 Takte p. Min., Metronom 100-108). Die Rumba stammt aus dem Mambo-Bolero und ist mit der Habanera verwandt. Sie ist ein afrokubanischer Werbungstanz: Die Dame schwankt zwischen Hingabe und Flucht und der Herr zwischen „Zu-neigung“ und „Selbst-herrlichkeit“. In Deutschland wurde die Rumba 1932 ins Turnierprogramm aufgenommen. Sie ist der Klassiker unter den Lateintänzen, erfordert Ausdruckskraft und Sparsamkeit der Mittel.

Paso Doble

(2/4-Takt, 60-62 Takte p. Min., Metronom 120-124) Der Paso Doble ist eine in Spanien und Frankreich entwickelte Darstellung des Stierkampfs mit Einschluß von Flamenco-Elementen. Die Dame stellt nicht den Stier dar, sondern das rote Tuch des Toreros, Herr und Dame bewegen sich also gemeinsam um einen imaginären Stier. Die Musik ein spanischer Marschtanz, besteht aus einer Einleitung und zwei Hauptteilen mit genau festgelegten Höhepunkten, nach denen sich die Choreographie richtet. Der Tanz erfordert große Präzision und einen durchgehaltenen starken Muskeltonus.

Jive

(4/4-Takt, 42-44 Takte p. Min., Metronom 168-176) Der Jive wurde als „Jitterbug“ und „Boogie-Woogie“ (später auch „Behop“) um 1940 von amerikanischen Soldaten nach Europa gebracht, in England zum Jive entwickelt und schließlich in das Turnierprogramm der Lateintänze aufgenommen (Profis national 1968, Amateure national 73, international 76). Mit ihrer Off-Beat-Betonung auf „zwei“ und „vier“ verrät die Musik ihren afrikanischen Ursprung. Der Jive bringt robuste Lebensfreude zum Ausdruck. Er war der „Tobetanz“ der Vor-Beat-Generation, aus dem sich auch der akrobatisch-athletische Rock ’n‘ Roll entwickelt hat.

 

Die Wertungsrichtlinien

Die Wertungsrichter bewerten die Leistungen der Paare relativ zueinander. Hierbei stehen ihnen vier Wertungsgebiete zur Verfügung.

  1. Musik umfasst das Tanzen im Takt und im Grundrhythmus, sowie das Bestreben, Musik als Gesamtwerk bewegungsmäßig umzusetzen.
  2. Balancen behandelt die tanztypischen Körperpositionen zueinander und miteinander und deren Wechselwirkung auf die jeweiligen Bewegungsenergien.
  3. Bewegungsablauf beinhaltet die verschiedenen Strukturen von Bewegungselementen und den daraus entstehenden Verknüpfungen.
  4. Charakteristik – Das letzte Bewertungsgebiet umfasst die historische Entwicklung der einzelnen Tänze und beinhaltet außerdem alles, was der Tanzsportler zusätzlich zu den erlernten Fähigkeiten, in seinem Bestreben, Musik in Bewegung umzusetzen, zum Ausdruck bringt.

Der Schwierigkeitsgrad ist grundsätzlich kein Wertungsgebiet. Die bessere Leistung ist an der rhythmischen und bewegungsenergetischen Ausführung des Tanzes zu bemessen. Die Wertungsgebiete stehen nicht gleichberechtigt zueinander. Erst wenn in einem Wertungsgebiet eine Differenzierung der Paare nicht mehr möglich ist, wird das nächstfolgende Wertungsgebiet herangezogen.

 

Startgruppen und Startklassen

Startgruppen sind Einteilungen nach Alter. Unterteilt wird in der jeweiligen Gruppe noch die Startklasse. Hierbei wird unterteilt in den Klassen D,C,B,A und S(Sonderklasse).

Startgruppen mit Startklassen:

  • Kinder- und Jugendgruppen
    • Kinder I (Höchstalter des älteren Partners 9 Jahre) höchste Klasse C.
    • Kinder II (Höchstalter des älteren Partners 11 Jahre) höchste Klasse C.
    • Junioren I (Höchstalter des älteren Partners 13 Jahre) höchste Klasse B.
    • Junioren II (Höchstalter des älteren Partners 15 Jahre) höchste Klasse B.
    • Jugend (Höchstalter des älteren Partners 18 Jahre) höchste Klasse A.
  • Hauptgruppen ab Hauptgruppe alle Klassen bis S.
    • Hauptgruppe (Mindestalter des älteren Partners 19 Jahre)
    • Hauptgruppe II (Mindestalter eines Partners 28 Jahre)
  • Seniorengruppen
    • Senioren I (Mindestalter des älteren Partners 35 Jahre, Mindestalter des jüngeren Partners 30 Jahre)
    • Senioren II (Mindestalter des älteren Partners 45 Jahre, Mindestalter des jüngeren Partners 40 Jahre)
    • Senioren III (Mindestalter des älteren Partners 55 Jahre, Mindestalter des jüngeren Partners 50 Jahre)
    • Senioren IV (Mindestalter des älteren Partners 65 Jahre, Mindestalter des jüngeren Partners 60 Jahre)